Auf der Suche nach Glück

Posted by Julia on Wednesday, March 17, 2021

Jeder strebt nach seinem Glück und dem Gefühl des Glücklichseins. Immer wieder hören wir die Frage, ob wir glücklich seien. Ständig verwenden wir Floskeln und Sprüche, in denen das Glück vorkommt. So wünscht man z.B. sich viel Glück. Oder hat doch einfach mal wieder Glück gehabt. Nicht selten musste man sich vielleicht schon den Spruch anhören, dass jeder seines Glückes Schmied sei. Aber sollten wir uns nicht zuerst einmal die Frage stellen, was das Wort Glück, das wir scheinbar so häufig und beiläufig verwenden, überhaupt bedeutet? Was ist Glück? Als ich das erste Mal darüber nachdachte wusste ich es einfach nicht. Also tat ich wohl das, was jeder macht, wenn er es nicht weiß: ich suchte danach im Internet. Ich fand viel – nur eine eindeutige Antwort fand ich nicht. Ich las von nach außen hin begünstigenden Umständen über innere Empfindungen. Ja, jeder von uns verbindet doch ganz unterschiedliche Dinge mit Glück:

  • eine stabile Partnerschaft
  • Freunde
  • Intelligenz
  • Geld
  • Familie
  • Arbeit
  • Schönheit

Wie aber können all diese subjektiven Empfindungen in ein objektives Bild gepresst werden? Oder besser: Ist das überhaupt möglich? Ich drang also etwas tiefer in die Materie ein und betrachtete die Entwicklung des Begriffs des Glücks von der Antike bis in die heutige Zeit. Es gab viele Ansätze den Begriff des Glücks einzugrenzen und zu fassen. Aristoteles zum Beispiel entwickelte folgende Merkmale, die das Glück charakterisieren sollen:

  1. Glück ist das vollkommenste Gut. Es wird im Gegensatz zu anderen Gütern nur um seiner selbst willen erstrebt. Es ist das abschließende Ziel des Menschen.

  2. Glück ist für sich hinreichend. Wer glücklich ist, führt ein gelungenes Leben.

  3. Glück ist das „wählenswerteste“ Gut. Es kann nicht zu anderen Gütern hinzugerechnet werden und ist bereits in sich perfekt und nicht verbesserungsfähig. 1

Und so wurde mir immer klarer, dass man (zum Leid aller Wissenschaftler) Glück wohl niemals rein objektiv bestimmen kann. Man muss die subjektiven Empfindungen des Einzelnen miteinbeziehen. Aber wo die subjektive Wahrnehmung mit objektiver Glücksbestimmung vermischt wird, entzieht sich die Begriffsbestimmung unserem rationalen Denken. Wir können es nicht „fassen“, weil es keine Grenzen gibt. Weil wir eine subjektive Empfindung nicht eingrenzen oder kontrollieren können. Und das macht das Glück umso einzigartiger. Trotz all der Versuche, den Begriff zu „fassen“ und einzugrenzen, hat es das Glück bisher immer geschafft, sich dem zu entziehen. Es lässt sich nicht greifen. Es ist wie es ist. Es kommt, wenn du selbst es zulässt. Diesen einen Augenblick der Erfülltheit auf dich einströmen lässt.

Ein Satz von Prof. Dr. Arbogast Schmitt hat es für mich also auf den Punkt gebracht2:

Für uns ist Glück eine ›Empfindungsqualität‹, eine subjektive Hochgestimmtheit, Ergebnis eines erfüllten Augenblicks, der sich einer rationalen oder gar methodischen Kontrolle entzieht.

Damit stellt sich die Frage, in welchen Momenten du genau das erlebt hast. Wann warst du das letzte Mal vom Glück durchströmt? Was macht dich glücklich? Wann hast du das Gefühl ein vom Glück erfülltes Leben zu führen?

Vielleicht kommt das Glück für dich einfach so. Oder aber du hast das Gefühl, für dein Glück „kämpfen“ zu müssen. Deine Ziele zu verfolgen, weil du der Meinung bist, dass die Vernunft doch eng mit dem Glück verknüpft ist. Ich jedenfalls glaube, dass Vernunft und Glück nicht miteinander verbunden werden können. Eine vernünftige Lebensführung führt nicht zum Glück. Ich habe schon öfter gehört, dass Glück nur findet, wer danach sucht. Aber auch hier bin ich anderer Meinung. Es ist schwer nach etwas zu suchen, von dem man gar nicht weiß, was es ist. Wer krampfhaft nach Glück sucht, wird es wohl nie finden. Glück kann man nicht erzwingen – Es kommt von ganz allein. Es kommt, wenn man sich von seinen Gefühlen leiten lässt. Nicht nach dem handelt, was andere für richtig halten, sondern nur nach sich selbst. Wenn man sich traut, anders zu sein. Wenn man sich traut, bisher unbeschrittene Wege zu gehen. Wenn man sich traut einfach man selbst zu sein. Ich denke, dass man ein Teil seines Glücks von Geburt an in sich trägt. Es ist ein Teil der Persönlichkeit, der nur darauf wartet, hervorgeholt zu werden. Wer sich selbst findet, findet das Glück.

Also geh doch mal in dich und frage dich selbst: Was verbindest du mit Glück? Welche Bedeutung hat es für dich? Wie fühlst du dich dabei?

Schreibt mir gerne eure Gedanken zu dem Thema.


  1. Horn in Thomä/Henning/Mitscherlich-Schönherr, Glück. Ein interdisziplinäres Handbuch, S. 122 ↩︎

  2. Schmitt in Thomä/Henning/Mitscherlich-Schönherr, Glück. Ein interdisziplinäres Handbuch, S.135 ↩︎